Mit dem „fiktiven Interview“ wird das klassische Rollenspiel im Unterricht zum vielseitigen Lernprojekt: Die Lernenden trainieren Sprache und Grammatik, tauchen in die Kultur ein und nutzen dabei digitale Tools.
Was wäre, wenn Albert Einstein, Mozart oder ein bekannter Fußballprofi plötzlich im Klassenzimmer sitzen würden? Beim „fiktiven Interview“ ist genau das die Idee. Die Schülerinnen und Schüler schlüpfen abwechselnd in die Rolle von Reporter und Promi – und verbinden so Sprache, Wissen und ein wenig Kreativität.
Das Ganze funktioniert auf jedem Sprachniveau. Auf Niveaustufe A1 reichen kurze, einfache Fragen nach Name, Herkunft oder Hobbys, um den Basiswortschatz spielerisch zu wiederholen. Ab den Niveaustufen A2 und B1 geht es dann um tägliche Gewohnheiten, vergangene Erlebnisse oder Zukunftspläne. Und in fortgeschrittenen Klassen entsteht daraus schnell ein richtiges journalistisches Interview mit spontanen Nachfragen und vertiefenden Diskussionen.
Der große Pluspunkt: Wörter werden nicht stur auswendig gelernt, sondern direkt im Gespräch gebraucht. Je nach Person entstehen ganz von selbst passende Wortfelder – ob Sportbegriffe beim Athleten, Fachwörter aus der Kunst oder geschichtliche Hintergründe bei historischen Figuren. Auch Grammatik, wie Frageformen, Zeiten oder Modalverben, lässt sich so völlig natürlich üben, genau wie der praktische Unterschied zwischen „Du“ und „Sie“.
Gleichzeitig bringen die Recherchen zur gewählten Person automatisch Landeskunde in den Unterricht. Wer eine historische Figur spielt, muss erst einmal herausfinden, wann sie lebte und was sie gemacht hat. Bei heutigen Prominenten kommen wiederum moderne Themen wie Social Media oder Jugendkultur ins Spiel. Die Methode ist dabei völlig offen: Ob als kurzer Text, als spontanes Partner-Interview oder als „Heißer Stuhl“, bei dem die ganze Klasse einer Experten-Figur Fragen stellt – alles ist möglich.
Auch digital lässt sich die Aufgabe gut weiterdenken. Die Ergebnisse können als kurze Präsentation, kleines Video, Audio-Podcast oder digitales Buch aufbereitet und auf einer gemeinsamen Padlet-Wand für alle gesammelt werden. So entsteht am Ende eine interaktive Galerie aller Arbeiten. Sprache bleibt dadurch kein theoretisches Schulfach, sondern wird zum echten Werkzeug, um eigene Geschichten zu erzählen.
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